Schlaue Messgeräte für mehr Obacht

Völpke, den 18.10.2016

An Hauptstraßen in fast allen Mitgliedsgemeinden der Oberen Aller leuchten jetzt Displays mit Tempo-Anzeige auf.

 

An der Völpker Friedensstraße, etwa 150 Meter nach dem Ortseingangsschild, das gleichbedeutend mit Tempolimit 50 ist, blinken sie nun auch, die roten (zu schnell) oder wünschenswert grünen Ziffern auf einer Anzeigetafel in gut zwei Meter Höhe. Die B 245 zieht sich hier kerzengerade ins Ortszentrum hinein, das verleite zu überhöhter Geschwindigkeit, weiß Völpkes Bürgermeister Wolfgang Smolin. Die einengende Verkehrsinsel am Ortseingang sei auf diesem recht langen Stück nicht ausreichend. Smolin betrachtet die Tempotafel daher als „geeignetes Instrument“, um Fahrzeugführer an das 50-km/h-Gebot zu erinnern.

Gestiftet hat dieses Gerät, wie auch jene in Harbke, Hötensleben, Barneberg, Sommersdorf, Marienborn und Sommerschenburg die Rettungsstiftung Jürgen Pegler mit Sitz in Heilbronn. Sie wurde 1976 nach dem Unfalltod des 17-Jährigen Jürgen Pegler von dessen Vater Wolfgang gegründet. Ein betrunkener Raser hatte ihm den Sohn genommen. Seither widmet sich die Stiftung – längst bundesweit – der Aktion „Leben retten. Leben schützen.“ mit dem Schwerpunkt auf Verkehrssicherheit.

„Mit den Anzeigetafeln wollen wir sensibilisieren“, sagt Stiftungsvositzender Andreas Sosniczka, „und die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass es funktioniert. Im Schnitt sinkt die Durchfahrtsgeschwindigkeit um mehr als 10 km/h.“ Dies könne genau ermittelt werden, weil in den Geräten weit mehr steckt als bloße Messung und Wiedergabe. „Zunächst mal funktionieren die Tafeln grundsätzlich nach demselben technischen Prinzip wie die berüchtigten Laserpistolen der Polizei“, erklärt Sosniczka.

Das bedeute, es finden binnen weniger Sekunden mehrere Messungen zur Berechnung der Geschwindigkeit statt, weshalb auch Brems- oder Beschleunigungsvorgänge „live“ berücksichtigt werden können. Darüber hinaus verfügen die Geräte über einen Speicher, der bis zu 400 000 Durchfahrten verwahrt.

„Aufgezeichnet werden in den Datensätzen jeweils die Einfahrts- und Ausfahrtsgeschwindigkeit in einem festgelegten Korridor, dazu Datum und Uhrzeit, so dass der Datenspeicher wesentliche Erkenntnisse zum Verkehrsgeschehen, zur Höhe des Verkehrsaufkommens, den gefahrenen Geschwindigkeiten sowie über die Häufigkeit der Tempoüberschreitungen liefert“, so Sosniczka weiter.

Ausgelesen werden die Daten via Bluetooth mit dem Handy, Tablet oder Laptop; die konkrete Auswertung kann dann per PC-Programm im Ordnungsamt der Verwaltung vorgenommen werden. „Wir werden davon Gebrauch machen“, sagt Mitarbeiterin Carola Ziesenitz, „und können der Polizei dann gegebenenfalls auch Hinweise darauf geben, ob und wo es vermehrt Ordnungswidrigkeiten von Temposündern gibt.“

Dass es so weit gar nicht kommen muss, weil die Displays allein schon „gute Wirkung erzielen“, hat Harbkes Bürgermeister Werner Müller bereits festgestellt. In seiner Gemeinde sind mittlerweile vier dieser Mess- und Aufzeichnungsgeräte installiert. Der Datenabgleich habe gezeigt, dass die Durchschnittsgeschwindigkeit auf der B 245a am Abzweig zur Schule auf 52 km/h gesunken ist – knapp 15 km/h weniger seit Beginn der Aufzeichnung vor drei Jahren.

Mit der offiziellen Übergabe in Völpke sei die Aktion seiner Stiftung in der Oberen Aller vorerst abgeschlossen, sagt Andreas Sosniczka. „Wir kümmern uns aber natürlich auch um die Wartung und Reparaturen. Und es ist geplant, auch in Eilsleben noch entsprechend aufzurüsten.“

Die Tempotafeln in Ummendorf, erklärte Carola Ziesenitz, zählten nicht zu der Kooperation mit der Peglerstiftung, sie sind von der Gemeinde in Eigenregie finanziert und installiert worden.

 

Foto: Offizielle Übergabe der Tempotafel an der Völpker Friedensstraße: Ordnungsamtsmitarbeiterin Carola Ziesenitz (von links), Bürgermeister Werner Müller (Harbke), Stiftungsvorsitzender Andreas Sosniczka, Ordnungsamtsleiterin Bärbel Kuch, Bürgermeister Peter Müller (Sommersdorf) und Bürgermeister Wolfgang Smolin (Völpke).

 

Text und Foto: Ronny Schoof - Volksstimme