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WM-Fahrer Rein hofft auf „fette Beute“

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Für den Fischer aus Völpke geht doch noch ein Traum in Erfüllung - Ein Völpker bei der WM! Kein Witz: Helmut Rein gehört zum Kader. Er vertritt seine nationalen Farben vom kommenden Sonnabend an in Portugal. Der 55-Jährige ist passionierter Petrijünger und nimmt an der Weltmeisterschaft im Brandungsangeln teil.

 

Hätten Sie‘s gewusst? Sachsen-Anhalt ist amtierender Weltmeister im Brandungsfischen! Ein Titel, den es nun zu verteidigen gilt – und ein Völpker wird dabei helfen: Helmut Rein, ein Mittfünfziger mit ordentlich Bauchansatz und einer großen Leidenschaft. Seit seinem 13. Lebensjahr frönt der sympathische Sportler dem Angelhobby mit seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen. Besonders angetan hat es ihm die Disziplin des Brandungsangelns, die er vor zwölf Jahren eher durch Zufall kennenlernte, die ihn fortan jedoch fesselte und seinen Ehrgeiz weckte. Was genau steckt eigentlich hinter dieser Form des Fischens? Der Nationalangler erklärt: „Das Ganze findet am Strand statt. Der Köder wird weit hinaus aufs Meer geschleudert. Dabei ist voller Körpereinsatz gefragt, denn meist gilt: Wer mehr Weite erzielt, erhöht seine Chancen auf einen Fang.“ 200 Gramm Blei dienen als Beschleuniger. Das mag wenig klingen, ist aber ein schwer zu bändigendes Gewicht. Helmut Rein stellt einen Vergleich an: „Die besten Brandungsangler können den Köder einmal der Länge nach über den Seehäuser See werfen.“ Manchmal, wie jüngst bei der Landesmeisterschaft in Kühlungsborn, können wenige Meter den Ausschlag geben über Anglerglück oder Misserfolg. „Da habe ich nicht so gut abgeschnitten“, gibt Rein zu, „weil mir ein Stück an Weite gefehlt hat, um ins tiefere Gewässer vorzudringen.“ Dort nämlich schwimmen sie, die Dorsche oder Schollen, auf die es die Langstreckenfischer abgesehen haben. Fleißig Wertungspunkte sammelt, wer mit der Vier-Meter-Rute die größten Exemplare an Land zieht. Mit Glück aber habe die Sache meist weniger zu tun, betont Rein: „Wie gesagt, es ist ein Extremsport, der einerseits viel Anstrengung beim Auswerfen und Einholen verlangt, andererseits auch taktische Detailarbeit bei der Wahl der Haken, Auftriebsperlen und Vorfächer. Und Training ist auch hier alles. Leider habe ich zuletzt nicht viel Zeit dafür gefunden.“ Für den Völpker geht mit der Nominierung für die WM im portugiesischen Vila Nova de Cacela vom 1. bis 8. Mai ein nicht mehr für machbar gehaltener Traum in Erfüllung. Vor zwei Jahren hatte er sich schon einmal für die WM qualifiziert, dann gab es die Absage. „Das ist geplatzt wie eine Seifenblase, ich hätte heulen können“, erinnert sich Rein. Das damalige Pech wandelte sich nun ins Gegenteil: Helmut Rein ist nach einigen Absagen von Teilnehmern als Nachrücker im Sachsen-Anhalt-Team gesetzt. „Ich bin überglücklich und werde mein Bestes geben“, kann und will er seine Freude nicht verbergen. Anfang nächster Woche geht es los. Mit fünf weiteren Petrijüngern, die den Pokal wieder nach Sachsen-Anhalt holen wollen, macht er sich auf den beschwerlichen Weg zur iberischen Halbinsel – 3000 Kilometer mit dem Kleinbus des Landesverbands! Vor Ort will der Tross zunächst noch einige Probeläufe absolvieren, ehe es dann in die Vollen geht. Vier Wettkampftage sind angesetzt. Die Brandungsangler haben dann jeweils vier Stunden Zeit, im Atlantik zu jagen. Und wie steht es um die Konkurrenz? Immerhin werden mehr als 100 Teilnehmer aus voraussichtlich 16 Nationen erwartet. „Zunächst mal sind da ja noch die Konkurrenten aus dem eigenen Land“, erklärt Rein. Die Deutschen sind mit drei Mannschaften vertreten – neben Sachsen-Anhalt sind das die Vertretungen aus den „Fischerhochburgen“ Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Als hartnäckigster Rivale hat sich in der Vergangenheit aber England erwiesen. „Trotzdem sind wir wie eine große Familie. Wir werden abends zusammensitzen und quasi den interkulturellen Austausch pflegen.“ Auch darauf freut sich Helmut Rein, denn es werden bleibende Eindrücke sein – eine einmalige Chance, die vielleicht ja auch mit einem Titel gekrönt wird.

 

Foto: Helmut Rein demonstriert die Grundstellung für den Köderwurf. 200 Gramm Blei werden dabei mehrere

Hundert Meter weit geschleudert.

 

Text und Foto: Ronny Schoof - Volksstimme