Smolin: „Wir haben nichts in der Hand“
Abriss nach Einsturz der Wand / Schandflecken sorgen in Völpke für dicke Luft - Landläufig gesproche, hat Völpkes Bürgermeister Wolfgang Smolin die Schnauze gestrichen voll – und zwar von gewissen Schandflecken in seiner Gemeinde. Das Fass zum Überlaufen brachte vor wenigen Tagen der teilweise Einsturz eines ruinösen Hauses im Winkel, das nun abgerissen wird. Obwohl in Privatbesitz befindlich, müssen dafür erst einmal öffentliche Gelder herhalten. Smolin reagiert regelrecht zornig, wenn er sich diesen und einige weitere „Standorte“ im Dorf anschaut. Was das Ortsoberhaupt so auf die Palme bringt: „Wir haben als Gemeinde nichts, aber auch gar nichts in der Hand, um die Situation zu verbessern oder auch mal Druck auszuüben. Die Eigentümer lassen sich hier nie blicken und scheren sich einen Dreck um die Häuser.“ Das Fachwerkhaus im Winkel 3 ist ein besonders tief sitzender Stachel. Dass hier früher oder später so etwas passiert wie am Sonnabend, 3. Juli, gegen halb zehn abends, war den Gemeindeverantwortlichen längst klar. Fünfmal schon hatte es in dem Gebäude gebrannt, nun kam es zum Einsturz der Außenwand des Obergeschosses. Glücklicherweise kam niemand zu Schaden. Weil hier akute Gefahr in Verzug ist, veranlasste das Bauordnungsamt des Kreises den Abriss des vormals denkmalgeschützten Hauses – als Ersatzvornahme auf eigene Kosten. Das Geld soll nun nachträglich vom Eigentümer eingefordert werden. Könnte schwierig werden: Der Mann weilt angeblich dauerhaft auf Mallorca, lässt sich hauptsächlich anwaltlich vertreten und habe auf bisherige Anschreiben durch das Bauamt der Verbandsgemeinde – wenn überhaupt – nur ausweichend reagiert. „Ein Wessi, der sich hier einfach bereichert hat“, nimmt Wolfgang Smolin kein
Blatt vor den Mund. „Er hat damals mit Fördermitteln das Dach und die Fenster saniert, um sie später wieder auszutauschen und zu verschachern.“ Dass hier mit der Zeit Gefahr für Leib und Leben aufzog, habe ihn wohl nicht interessiert. Kein Einzelfall in Völpke, wie der Bürgermeister bedauernd feststellen muss. Nur ein paar Meter weiter, ebenfalls im Winkel, geschah vor zwei Jahren mit dem ebenfalls denkmalgeschützen Haus Nummer 1 Ähnliches. Das habe der Besitzer so lange verfallen lassen, bis die Abrissgenehmigung aufgrund von Gefahrenabwehr erteilt wurde. „Was hat er also gemacht?“, so Smolin. „Er hat‘s einfach einreißen lassen und fertig!“ Bis heute liegt der Schutthaufen dort und wird allmählich überwuchert. Laut Feuerwehr sei übrigens die Absperrung hier unzureichend.
Foto: Im Winkel 3: Wolfgang Smolin (Mitte) und Völpker Feuerwehrleute blicken fassungslos auf die eingestürzte
Wand. Während der vergangenen Tage wurde das Haus zum größten Teil abgerissen.
Text und Foto: Ronny Schoof - Volksstimme




