Ein Flügel wird belebt, der andere stirbt ab

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Völpkes Bürgermeister Wolfgang Smolin im großen Volksstimme-Interview - Der Stachel sitzt tief, zu groß sind Enttäuschung und Empörung über das bevorstehende Aus der Grundschule, als dass Wolfgang Smolin einfach zur Tagesordnung übergehen könnte. Ronny Schoof sprach darüber mit Völpkes Bürgermeister.

 

Volksstimme: Herr Smolin, der 4. Juli, der Tag vor ihrem
69. Geburtstag, hat Sie schwer getroffen. Darf ich das so stehenlassen?
Wolfgang Smolin: Absolut. Das war kein Geburtstag für mich,
das war ein Niederschlag. Nach Feiern war mir nicht zumute,
das war durch den Vorabend passé. Wäre es anders gewesen,
hätte ich das Amt als Völpker Bürgermeister nicht verdient.

 

Volksstimme: Zur Erklärung: Am Abend jenes 4. Juli war nach wochenlanger Debatte der Beschluss zu den Grundschulstandorten in der Oberen Aller gefasst worden – ohne eine Zukunft für Völpke und in dieser Form für viele letztlich doch überraschend. Für Sie auch?
Wolfgang Smolin: Ja und nein. Ich bin schon nicht allzu zuversichtlich zu der Sitzung gefahren, nachdem ich den Wortlaut der Beschlussvorlagen gesehen hatte. Dennoch hatte
ich, wie viele andere auch, die Hoffnung, dass der zuvor eingebrachte Kompromissvorschlag und damit auch der vorläufige Erhalt der Grundschule Völpke eine Mehrheit findet. Immerhin hatte man ja diesen Eindruck nach der Ratssitzung
Ende Mai. Unterm Strich muss man aber wohl feststellen, dass
im Hintergrund doch andere Absprachen getroffen wurden.
Anders kann ich mir das Zustandekommen dieses Beschlusses
nicht erklären.


Volksstimme: Halten Sie Völpke für eine Art Bauernopfer?
Wolfgang Smolin: Zumindest ist das jetzt mein Gesamteindruck, ja. Betrachtet man alles von Anfang an, zieht sich die Schließung unserer Schule wie ein roter Faden durch die Diskussionen, Ausschüsse und Sitzungsprotokolle. Es erweckt nun auch den Anschein, dass eine klare Absicht dahintersteckte – spätestens, als die Fördermittel für die Hötensleber Turnhalle verwehrt wurden. Das nämlich dürfte jetzt ein Projekt werden, das durch die Einsparung der Völpker Schule finanziert wird. Dann wären wir nur ein Mittel zum Zweck
gewesen, zahlen obendrein noch alles doppelt, weil wir die
Verbandsumlage leisten und unsere Einrichtungen auf eigene
Kosten saniert haben. Das ist so nicht hinnehmbar.

 

Volksstimme: Erwägen Sie denn als Gemeinde eine Form von Einspruch oder Klage?

Wolfgang Smolin: Zunächst will nun ja die Bürgerinitiative
auf demokratischem Wege weiter um die Schule kämpfen. Das geschieht unabhängig von uns als Gemeinde. Der Einwohnerantrag ist Sache der Bürgerinitiative, die in der Hinsicht auch Möglichkeiten hat, die der Gemeinde nicht zur Verfügung stehen. Zusammen mit Ratsmitglied Karsten Gruschka war ich aber auch schon bei der Kommunalaufsicht, um Rat einzuholen. Man kann es als zwanglose Rechtsberatung bezeichnen, um abzuklopfen, was möglich wäre, ohne sich durch völlig falsches Vorgehen komplett lächerlich zu machen.

 

Volksstimme: Welche Erkenntnis haben Sie daraus gezogen?
Wolfgang Smolin: Ich will dem nicht vorgreifen, zumal der Völpker Gemeinderat mittlerweile auch einen an die
Verwaltung gerichteten Fragenkatalog erarbeitet hat, der
uns Aufschluss über einige Ungereimtheiten oder wenig
transparente Vorgänge, die zu dem Beschluss führten, liefern
soll. Das Schreiben liegt der Verwaltung beziehungsweise dem Verbandsgemeindebürgermeister vor. Die Antworten darauf warten wir nun ab.


Volksstimme: Stellt denn der Weiterbetrieb der Schule unter
freier Trägerschaft eine Alternative dar?
Wolfgang Smolin: Natürlich haben wir mit diesem Gedanken
bereits gespielt, aber mehr auch nicht. Es gibt dahingehend
noch keine näheren Befassungen. Letztendlich ist es nämlich auch Völpkes Wunsch, mit all unseren öffentlichen Einrichtungen Teil dieser Verbandsgemeinde zu bleiben.

Volksstimme: Der neue Kindergarten an der Schule gehört
auf jeden Fall dazu und wird in wenigen Wochen eröffnet.
Sicherlich mit einem bitteren Beigeschmack, oder?
Wolfgang Smolin: Ich kann mir nicht vorstellen, dass bei
der Einweihung für das „Haus des Kindes“ große Freude bei
mir aufkommt, obwohl das eine ganz tolle Sache wird. Aber
wenn ich dann daran denke, dass der andere Teil des Gebäudes nächstes Jahr geschlossen werden soll – nein, das ist zu widersinnig: Ein Flügel der Schule wird wiederbelebt, und
der andere stirbt ab.

 

O-Ton Wolfgang Smolin: „Auf der einen Seite geht es
eigentlich nur ums Geld, auf der anderen aber wird mit
Völpke die kostengünstigste Variante beiseite gewischt.“

 

Foto: Gibt es noch einen Weg zum Erhalt der Grundschule? Völpke will auf jeden Fall weiter dafür kämpfen.

 

Text und Foto: Ronny Schoof - Volksstimme