"Kann Gesundheitssystem nicht umkrempeln"
Hans-Werner Bille vor der Abreise nach Gambia im Volksstimme-Interview - Am Sonnabend, zwei Tage später als zunächst geplant, bricht Hans-Werner Bille aus Völpke nach Afrika auf (Volksstimme berichtete). Ziel der Reise: Gambia an der Westküste. Intention: Ärztliche Hilfe leisten. Volksstimme-Redakteur Ronny Schoof sprach vor dem sechswöchigen Aufenthalt in Gambia mit dem Arzt im Ruhestand, der bei der Reise von seiner Frau Lieselotte begleitet wird.
Volksstimme: Herr Bille, Sie reisen erst am Sonnabend ab. Warum?
Hans-Werner Bille: Eigentlich sollte es ja am Donnerstag losgehen. Doch laut Auskunft der Fluggesellschaft musste der Flug wegen der Zugvögelschwärme verschoben werden. Wir fliegen von Hannover aus über Barcelona nach Banjul.
Volksstimme: Und dann? Führen Sie dort für sechs Wochen eine Praxis?
Hans-Werner Bille: Nein, wir werden viel im Land unterwegs sein, vor allem Schulen und Gesundheitszentren in weiterem Sinne aufsuchen. Vor Ort treffen wir uns zunächst mit einem Vertreter des Gambia-Hilfe-Vereins, der uns dann begleitet. Für die ersten 14 Tage steht der Ablaufplan fest. Dann werden wir weitersehen. Der zweite Teil der Reise fährt dann aber voraussichtlich durch die sogenannte Nordbank.
Volksstimme: Wieviel Gepäck werden Sie denn mitnehmen? Hans-Werner Bille: Was die persönlichen Sachen angeht, beschränken wir uns auf das Notwendigste, auch zugunsten der medizinischen Ausrüstung. Es werden wohl zwei 20-Kilogramm-Koffer.
Volksstimme: Was, glauben Sie, kommt an diagnostischer und therapeutischer Arbeit auf Sie zu?
Hans-Werner Bille: Wir werden viel Schuluntersuchungen machen. Ich denke, dass vor allem Infektionskrankheiten, etwa an der Haut, oder auch Würmer und viele akute Sachen zu behandeln sind.
Volksstimme: Haben Sie sich vorher noch einmal belesen müssen?
Hans-Werner Bille: Natürlich habe ich mich spezifisch vorbereitet und nochmal einige Sachen nachgeschlagen und studiert, die mich dort wahrscheinlich erwarten. Zum Beispiel musste ich meine Kenntnisse über die Tropenkrankheit auffrischen.
Volksstimme: HIV ist in Afrika leider weit verbreitet. Machen Sie sich darüber Gedanken?
Hans-Werner Bille: Eher nicht. Wir arbeiten selbstverständlich gut geschützt.
"Trage einen kleinen Teil zum Gesamtaufbau bei"
Volksstimme: Welche Impfungen mussten Sie sich vorab verabreichen lassen?
Hans-Werner Bille: Keine. Alle notwendigen Impfungen hatten wir bereits. Und als Malaria-Prophylaxe nehmen wir seit einigen Tagen und für die Zeit unseres Aufenthalts Tabletten ein. Das genügt.
Volksstimme: Wie bewerten Sie persönlich Ihren humanitären Einsatz? Ist das Wirken eines Einzelnen nicht eher ein Tropfen auf den heißen Stein?
Hans-Werner Bille: Zunächst mal darf man die Erwartungshaltung hier nicht zu hoch ansetzen. Wir wissen ja selber nicht genau, was auf uns zukommt. Nach meiner Rückkehr am 28. Februar kann ich Ihnen sicherlich mehr darüber sagen. Es ist sicherlich eine Art Tropfen auf den heißen Stein. Ich kann ja das Gesundheitssystem dort nicht umkrempeln. Doch letztendlich sind wir nicht allein vor Ort. Es kümmern sich viele Institutionen und Hilfsvereine um das Land. Vielleicht also tragen wir einen kleinen Teil zum Gesamtaufbau bei.
Volksstimme: Wird es Ihr erster Besuch auf dem afrikanischen Kontinent sein?
Hans-Werner Bille: Nein, wir waren schon in Südafrika und an der Nordküste - allerdings als Touristen. Wir sind also nicht ganz unbeleckt, weshalb sich die innere Aufregung auch in Grenzen hält.
Volksstimme: Die Landessprache ist Englisch. Befürchten Sie Verständigungsschwierigkeiten?
Hans-Werner Bille: Mein Englisch ist zwar nicht das beste, aber hoffentlich ausreichend. Ich denke, das wird schon gehen.
Text und Foto: Ronny Schoof - Volksstimme




